Mehr Mobilität in Gebäuden: KONE und die Orientierungs-App BlindSquare bringen blinde und sehbehinderte Menschen sicher ans Ziel

Pressemitteilung Veröffentlicht 11.06.2020
  • KONE Aufzüge und Orientierungs-App werden über cloudbasierte KONE-Plattform vernetzt
  • Neue Anwendung kommt in Würzburger Berufsförderungswerk (BFW) erstmals in Deutschland zum Einsatz
  • Anwendung erleichtert Blinden und Sehbehinderten die Orientierung innerhalb von Gebäuden

KONE, einer der weltweit führenden Hersteller von Aufzügen und Rolltreppen, sorgt dafür, dass blinde und sehbehinderte Menschen sicher und selbstständig mit dem Aufzug an ihr Ziel kommen. Dafür nutzt KONE die GPS-App BlindSquare. Im Berufsförderungswerk in Würzburg (BFW) kommt die neue Anwendung erstmals in Deutschland zum Einsatz.

Mit App und Aufzug sicher durchs Gebäude navigieren

Sandra Pilz hat den neuen Service als eine der ersten getestet. Als sie mit dem Langstock in der einen und dem Handy in der anderen Hand das Foyer des BFW betritt, hat sie den Aufzug bereits per App übers Smartphone gerufen. Die App sagt ihr akustisch, wo sich die Anlage befindet, dann steigt sie ein. Sekunden später teilt ihr die App mit, dass sie in der zweiten Etage angekommen ist und den Gang links zum Kursraum nehmen soll (dazu das Video).

„Aufzug fahren mag für Sehende selbstverständlich sein. Für blinde und sehbehinderte Menschen ist es jedoch ein Hindernis“, erzählt die junge Frau. Denn was andere sehen, müsse sie erst in Erfahrung bringen: Wo ist die Anlage? Gibt es Taster mit Braille-Schrift? Wann ist die Zieletage erreicht? Und in welchen Flur muss ich jetzt gehen? All diese Fragen beantwortet die BlindSquare-App in KONE Aufzügen. „Hilfsmittel wie diese erleichtern den Alltag enorm.“

Integration durch barrierefreie Mobilität

Die Freiheit, die die Verbindung von App und Aufzug den Blinden und Sehbehinderten bietet, ist für Hellmut Platz enorm wichtig. „Unser Ziel ist es, dass sich unsere Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer selbstständig und sicher fortbewegen“, sagt der Trainer für Orientierungssinn und Mobilität am BFW. Das Smartphone und die damit verbundene Technologie könnten die barrierefreie Mobilität behinderter Menschen fördern – und damit auch ihre Unabhängigkeit und soziale Integration, so ist er überzeugt.

„Eine blinde Person hat mir mal gesagt, dass die Erfindung des Smartphones genauso wichtig ist wie die Brailleschrift", sagt der Trainer. „Wir hoffen, dass KONE die Technologie weiterentwickeln und verbessern wird – zusammen mit BlindSquare und den Menschen, die das System nutzen. Und dass sie nicht nur unseren 220 Studierenden im BFW im Alltag hilft, sondern auch in vielen öffentlichen Gebäuden angeboten wird.“

Einfaches Nachrüsten der Anwendung möglich

KONE Aufzüge und die BlindSquare-App werden über die cloudbasierte digitale KONE-Plattform und ihre offene Schnittstelle (API) miteinander vernetzt. „Doch auch das Nachrüsten ist kein Problem, sagt Matthias Meiner, der bei KONE als Produktmanager Modernisierung tätig ist. „Die elektronischen Steuerungssysteme bestehender Aufzüge lassen sich leicht an die an die KONE Plattform und damit auch an BlindSquare anbinden.“

Die Aufzüge der neuesten Generation DX (Digital Experience) sind bereits serienmäßig mit der Cloud verbunden. Über sie können viele weitere Dienste wie vorausschauende Wartung oder Musik nach Wunsch bereitgestellt werden.

So funktioniert BlindSquare

BlindSquare ist mit rund 60.000 Nutzern die weltweit meistverwendete GPS-App für Blinde und Sehbehinderte. Anders als Navigations-Apps, die Nutzer zu einem vorgewählten Ziel führen, unterstützt BlindSquare die Orientierung im öffentlichen Raum. Die App nennt umliegende Straßenkreuzungen, Geschäfte oder Bushaltestellen und gibt die Richtung an, in der sie zu finden sind. Standort und Bewegungsrichtung des Nutzers bestimmt die App über die GPS-Funktion des Smartphones metergenau und vernetzt sie mit frei verfügbarem Kartenmaterial sowie Daten externer kostenloser Dienste.

Zunächst war BlindSquare auf die Nutzung im Freien beschränkt. Inzwischen hilft die App auch bei der Orientierung innerhalb von Gebäuden. So kann BlindSquare über eine digitale Verknüpfung mit den KONE Aufzügen kommunizieren. Darüber hinaus können Gebäudebetreiber Bluetooth-Sender (Beacons) installieren, um die Orientierung innerhalb von Gebäuden zu erleichtern. BlindSquare ist für iPhone und iPad im Apple-App-Store erhältlich. Eine Variante für Android-Geräte ist in Vorbereitung. Für den Vertrieb in Europa ist die Firma Dräger & Lienert in Marburg zuständig.

Berufsförderungswerk (BFW) Würzburg

Das BFW Würzburg ist ein berufliches Bildungszentrum für blinde und sehbehinderte Menschen. Durch Qualifizierungsmaßnahmen werden die erwachsenen Schülerinnen und Schüler wieder ins berufliche und gesellschaftliche Leben eingegliedert. Derzeit lernen rund 220 Menschen in mehr als 20 Ausbildungsberufen am BFW.

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Bildunterschrift: Selbstständig und unabhängig: Sandra Pilz hat die KONE Aufzüge mit der BlindSquare-App als eine der ersten getestet. (Bild: KONE)